Die Katholische Jungschar räumt dem Spielen ganz bewusst einen wichtigen Platz ein, das Spielen ist zentraler Bestandteil der Jungscharpädagogik.
Spiele, die zum Ziel haben, verschiedene Parteien gegeneinander auszuspielen oder nur auf das Erbringen von Leistung abzielen, haben hier wenig Platz. Wichtig sind vor allem das Erleben, Ausdrücken, Erforschen, Entdecken und auch ganz schlicht das Spielen an sich – das Spielen um des Spielens willen. Wichtig dabei ist, dass dies alle Beteiligten betrifft und dass niemand von vornherein ausgeschlossen oder diskriminiert wird.
In der Jungschar sind uns die Gemeinschaft und das gemeinsame Erleben im Spielen besonders wichtig.
Von speziellem Wert ist auch der Raum, der beim Spielen entsteht. Beim Spielen um des Spielens willen dürfen Kinder einfach sein und sich ausdrücken, was ihnen nicht überall möglich bzw. erlaubt ist.
Das alles steckt drin im Spielen:
Austoben und Abreagieren
Kinder dürfen und sollen einen Raum haben, in dem sie sich austoben und abreagieren können. Dies wird z.B. durch Rollenspiele ermöglicht. Dabei schlüpfen Kinder in neue Rollen und können so (vielleicht auch unbewusst) mit gesellschaftlichen Anforderungen an sie und damit verbundenen Stereotypen spielen oder diesen entfliehen.
Austoben kann aber auch lediglich Bewegung heißen, weshalb auch Bewegungsspiele wertvoll sind. Wichtig ist bei diesen Spielen, dass Kinder sich auspowern dürfen, ohne irgendeine Leistung erbringen zu müssen, wie das im Schulsport mitunter der Fall ist. Oder sie werden im Spiel miteinander verglichen, was wieder dazu führt, dass auf die Kinder Druck aufgebaut wird.
Herstellung von Beziehungen, erste Gruppeninteraktionen
Vor allem bei neuen Gruppenkonstellationen sind Spiele ein hilfreiches, wenn nicht das Mittel der Wahl, um sich auf eine ungezwungenere Art kennenzulernen, da beim Spielen Hemmungen schneller abgebaut werden.
Gemeinschaft und Miteinander
Das Spielen in der Gruppe ermöglicht außerdem, dass man merkt, wie sich das eigene Handeln im Gruppengefüge auswirkt, welche Konsequenzen es auch für andere mit sich bringt. Aber was noch mehr gefördert wird, ist eine Gruppengemeinschaft mit einem Gemeinschaftsgefühl.
Kooperation statt Konkurrenz
Kooperation statt Konkurrenz ist eines der Hauptanliegen der Spielpädagogik in der Jungschar. Kinder werden oft genug, auch im Spiel, mit Wettbewerb und dem Erbringen von Leistungen konfrontiert.
Die Jungschar soll ein Raum sein, in dem dies möglichst selten geschieht, denn oft geht bei Konkurrenzspielen der Spaß, das Miteinander und die Rücksicht auf andere verloren. Solche Dynamiken können zu einer Gruppenkonstellation mit unterschiedlichen Machtverhältnissen führen und einzelne Kinder massiv vom Gemeinschaftserleben ausschließen. Ein Negativbeispiel für diese Spielform sind Spiele, bei denen Mitspielende der Reihe nach ausgeschieden werden. Was Kooperationsspiele an Positivem mit sich bringen, lässt sich teilweise auch in den vorherigen Absätzen schon lesen: Es wird Gemeinschaftsgefühl erzeugt und gefördert, Kinder lernen, dass sie nicht immer alleine arbeiten können, sondern auch Interessen anderer mit einbeziehen müssen. Kinder erfahren nebenbei auch, welche Konsequenzen ihre Handlungen oder ihre Ideen für die gesamte Gruppe mit sich bringen.
Die Gruppenleiterin und der Gruppenleiter spielen mit
In der Jungschar spielt neben den Kindern auch die Spielleiter*innen eine wichtige Rolle. Diese haben nicht nur die Aufgabe geeignete Spiele für die Gruppe auszusuchen (denn nicht jedes Spiel ist für jede Gruppenkonstellation gleich gut geeignet). Als Gruppenleiter*in ist es auch im Spielen wichtig, für die Kinder eine Bezugsperson zu sein. Hier bietet es sich an, bei allen Spielen nach Möglichkeit mitzuspielen. Wenn die Motivation der Gruppenleiter*innen für die Kinder spürbar ist, wird dadurch das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe gestärkt.
Ein Mantra, das bei all der Theorie nicht vergessen werden sollte, ist der gemeinsame Spaß ohne das Ausschließen von irgendjemandem.
Und wenn wieder einmal jemand kommt und sagt „Die spielen ja nur!“, dann wisst ihr es besser: Kinder haben im Spiel einen Raum zur Entfaltung. Und um die Kinder geht es schließlich.1
1Vgl. Schaufler, Verena: Das Spiel. In: Pastoralamt der Diözese Linz – Kath. Jungschar (Hrsg.): Grundschulungsunterlagen. Pastoralamt der Diözese Linz – Kath. Jungschar, 2020, S.30f.