Du bist stark!

26.05.2021 | von Magdalena Schobesberger
Das Mädchen Mary aus Nairobi in Kenia hat einen Brief aus dem Rescue Dada Center geschickt. In dieser Gruppenstunde schauen wir uns das Thema Empowerment genauer an. Dies ist eine vertiefende Gruppenstunde zum Escape Room „Dem Stern auf der Spur“. Sie kann aber auch unabhängig vom Escape Room durchgeführt werden.
Kinderanzahl
Kinderanzahl
ab 5 Pers.
Alter
Alter
10-12 Jahre
Gesamtzeit
Gesamtzeit
60 Minuten

Anmerkung am Beginn

Die Gruppenstunde greift die sehr sensiblen Themen auf, die aus dem Brief von Mary aus Kenia hervorgehen. Diese Themen werden jeweils angesprochen, dann in einer Aktion vertieft und schließlich reflektiert. Nimm dir ausreichend Zeit für die Reflexion und schaffe eine Umgebung, in der die Kids gut mit dir und miteinander ins Gespräch kommen können. Ziel der Gruppenstunde ist einerseits die inhaltliche Vertiefung der Themen aus dem Brief und die Beschäftigung mit dem Empowerment. Andererseits sollen die Kids durch die Übungen persönlich bestärkt werden und sich durch die Gestaltung der persönlichen Empowerment-Faust auch nach der Gruppenstunde immer wieder an ihre Kraft und Stärke erinnern.

Hier erfährst du mehr über das Projekt Rescue Dada Center.

 

Post aus Kenia

Mary lebet im Rescue Dada Center in Nairobi in Kenia. „Rescue Dada“ bedeutet „Rette die Schwester“. Sie hat einen Brief geschickt. Lest den Brief von Mary gemeinsam durch. Wenn ihr einen tieferen Einblick haben möchtet, seht euch gemeinsam das Video über das Rescue Dada Center an.

 

Mary erzählt in ihrem Brief von ihrer schwierigen Lebenssituation. Im Rescue Dada Center kann sie auftanken und wird gestärkt. Für diese Art von Bestärkung, die nicht nur körperliches Starksein meint, gibt es einen eigenen Begriff: Empowerment. Der Begriff kommt aus dem Englischen. Es steckt das Wort POWER (Kraft, Stärke) darin und der Begriff meint umfassendes Bestärken – seelisch und körperlich. Wichtig dabei ist Selbstbestimmung, das Wissen um die eigenen Rechte und somit die Möglichkeit, Verantwortung fürs eigene Leben zu übernehmen.

Ein weltweites Symbol für Empowerment ist die Faust. Die Faust kann ausdrücken: Ich bin stark, ich lasse mich nicht unterkriegen, ich kenne meine Rechte, ich gehe meinen eigenen Weg.

Teile den Kids einen Ausdruck der Kopiervorlage der Faust aus. Im Laufe der Gruppenstunde können sie diese Faust beschreiben, bemalen und mit jenen Symbolen und Begriffen gestalten, die sie selbst bestärken, ihnen Sicherheit, Mut, Kraft und Klarheit geben.

 

Nicht gesehen und gehört werden

Mary aus Kenia beschreibt eine Situation, in der Kinder – vor allem Mädchen – ganz am Rand der Gesellschaft stehen. Sie werden übersehen und überhört und müssen sich alleine durchkämpfen. Die Sozialarbeiter*innen vom Rescue Dada Center suchen sie, hören und sehen sie und bieten ihnen Hilfe an.

 

Aktion

Probiert nun gemeinsam in dem Spiel „Schreimauer“ aus, wie es sich anfühlen kann, nicht gehört zu werden, wenn man etwas Wichtiges zu sagen hat.

  1. Die TN werden in zwei Gruppen geteilt.
     
  2.  Die zweite Gruppe teilt sich nochmal in zwei Gruppen, die eine stellt sich auf die linke, die andere auf die rechte Seite des Raumes. Die erste große Gruppe stellt sich in die Mitte.
     
  3. Die rechte Gruppe überlegt sich ein Wort, das mit den gehörten Begriffen zu Empowerment zu tun hat. Ihre Aufgabe ist es, dieses Wort so laut wie möglich die Richtung der linken Gruppe zu rufen.
     
  4. Die mittlere Gruppe versucht mit Schreien, Klatschen usw. so viel Lärm zu machen, dass die linke Gruppe nichts versteht. Diese laute Menge steht in dem Spiel symbolisch für eine Gesellschaft, in der die Rechte von Kindern und Jugendlichen im Lärm untergehen.
     
  5. Wird das Wort erraten bzw. gehört, überlegt sich die linke Gruppe ein Wort.
     
  6. Nach ein einigen Runden, wechselt die mittlere Gruppe nach außen und teilt sich in zwei Gruppen.  Die linke und rechte Gruppe vereinen sich in der Mitte. Das Spiel beginnt von vorne.

 

Reflexion:

Überlegt gemeinsam: Wie ist es, nicht gehört zu werden, wenn man aus Leibeskräften schreit? Wie fühlt es sich der Moment an, in dem du gehört wirst? Welche Rahmenbedingungen brauchst du in deinem Leben, damit du dich gehört und wahrgenommen fühlst? Wer hört dich und wer hört dir zu? An wen kannst du dich wenden?

Lade die TN ein, ihre Gedanken dazu auf oder rund um ihre Empowerment-Faust zu schreiben/zeichnen.

 

STOPP sagen

In ihrem Brief erwähnt Mary, dass viele Kinder und Jugendliche auf Straßen von Nairobi Gewalt ausgesetzt sind. Sie haben dort keinen Rückzugsort und sind der Gewalt ausgeliefert. Im Rescue Dada Center bekommen sie Unterstützung dabei, ihre Grenzen zu spüren und sich verteidigen zu lernen. Sie werden darin bestärkt, STOPP zu sagen.

 

Aktion:

Für die folgende Übung finden sich die TN zu zweit zusammen. Person A sucht sich einen Platz im Raum. Person B hat die Aufgabe, auf Person A zuzugehen, bis diese STOPP sagt. Der Moment, an dem eine Begegnung zu nahe wird, ist für jede und jeden ein anderer. Wichtig ist, dass Person A genau hinspürt, wann Person B die Wohlfühl-Grenze überschreitet und zu nahe in den persönlichen Bereich kommt. Dann ist es Zeit, deutlich STOPP zu sagen. Person B muss dieses STOPP respektieren und darf sich Person A nicht weiter nähern. Person A kann sich zusätzlich zum Wort STOPP noch eine Geste überlegen, z.B. die Hand schützend vor den Körper halten.

Die Zweierteams können diese Übung mehrmals nach Belieben durchführen.

 

Reflexion:

Stelle den Kids folgende Fragen zur Reflexion der Übung: Wurde deine Grenze überschritten? Woran erkennest du das? Wie fühlt es sich an und wo im Körper spürst du das? Welche Geste hast du gewählt? Gibt es Situationen in deinem Alltag, wo du öfter STOPP sagen willst und deine Geste einsetzen kannst?

Die Überlegungen dazu und wichtige, bestärkende Gedanken sollen sich die Kids an dieser Stelle zu ihrer Empowerment-Faust notieren.

 

Wertschätzung und Anerkennung

Mary beschreibt, dass die Mädchen im Rescue Dada Center aufgefangen werden. Sie werden seelisch und körperlich betreut, sie lernen ihre Rechte kennen, üben, ihre Grenzen zu spüren und lernen viel Praktisches für den Alltag. Sie werden wahrgenommen und wertgeschätzt wie sie sind und werden dabei begleitet, zu selbstbewussten Mädchen zu werden. Die Sozialarbeiter*innen im Rescue Dada Center bringen ihnen Wertschätzung und Anerkennung entgegen.

 

Aktion:

Mit der folgenden Übung könnt ihr euch in der Gruppe gegenseitig Wertschätzung und Anerkennung zukommen lassen. Jede und jeder wird bestärkt und soll das Wohlwollen der anderen spüren. Bildet dazu ein Spalier. Nacheinander dürfen die TN durch dieses Menschen-Spalier tanzen, gehen, schreiten, laufen. Alle anderen bestärken sie/ihn dabei mit Klatschen, positiven und motivierenden Zurufen, Schulterklopfen etc. Wer sich Bestärkung im Spalier geholt hat, stellt sich wieder dazu und nimmt wieder die Rolle der/des Bestärkenden ein. Die TN können beliebig oft durch diesen „Weg der Anerkennung“ gehen.

 

Reflexion:

Was macht mich aus? Was sind meine ganz persönlichen Eigenschaften unabhängig von meinen Leistungen? Wer bestärkt mich und schenkt mir Anerkennung? Woran erkenne ich das, dass es jemand gut mit mir meint und mich schätzt?

Die Überlegungen dazu und wichtige, bestärkende Gedanken sollen sich die Kids an dieser Stelle wieder zu ihrer Empowerment-Faust notieren.

 

Zusammenfassung

Fasst gemeinsam zusammen, was Empowerment bedeutet und was dabei wichtig ist.

Dafür kannst du die Kopiervorlage der Faust auf einem A3 Blatt ausdrucken, die Wortmeldungen der Kids auf Kärtchen schreiben und dazu kleben. So gestaltet ihr am Ende dieser Gruppenstunde eine gemeinsame Empowerment-Faust. Gib den TN auch noch Zeit, ihre persönliche Empowerment-Faust fertig zu gestalten. Lade die TN ein, dieses Blatt mit nach Hause zu nehmen und immer wieder drauf zu schauen, wenn sie Bestärkung brauchen.

 

Zuckerl Reflexion

Plane genügend Zeit für die Nachbesprechung am Schluss der Gruppenstunde ein. Die behandelten Themen sind „schwere Kost“. Gestalte den Abschluss mit einer süßen Reflexion. Alle bekommen ein Zuckerl (achte auf bio und fair), in der Mitte steht ein Mistkübel. Wer der Reihe ist, packt das Zuckerl aus und wirft die Verpackung in den Mistkübel. Dabei sagt sie/er, was ihr/ihm gefehlt oder nicht gefallen hat. Danach, was ihr/ihm besonders gefallen hat und dann darf das Zuckerl natürlich vernascht werden.

 


Material

Brief von Mary aus Kenia ausgedruckt, ev. Video über Rescue Dada Center (Smartphone oder Laptop zum Abspielen), Kopien der Faust für alle TN und einmal auf A3 ausgedruckt, Kärtchen, Kugelschreiber und Buntstifte in TN-Anzahl, Zuckerl für die Reflexion

 


Escape Room

Alle Infos zur Entlehnung des Escape Rooms findest du hier.

Du bist stark!
… dann werden alle satt!
Wir haben Rechte!
Magdalena Schobesberger

ist Referentin für voll.bunt und DKA.