Gott begegnet uns in seinem Wort

29.01.2020 | von Michaela Druckenthaner
Liturgie ist Begegnung und Dialog, Wort und Antwort, zwischen Gott und Mensch. Ein wesentlicher Teil dieses Dialogs ist das Vorlesen und Verkünden der Heiligen Schrift, die „Gottes Wort in Menschenwort“ ist und in der „Gott zu seinem Volk spricht“.

Bibel & Kinderliturgie zum Bibelsonntag

Das Wort Gottes aus der Heiligen Schrift erzählt uns Gottes Geschichte mit uns Menschen und nimmt uns in diese seine Geschichte mit hinein. Wenn wir zum Beispiel lesen, wie der Beter/die Beterin in Psalm 19 die Schönheit der Schöpfung lobt, dann steigt auch in uns ein Staunen und ein Lob auf – oder vielleicht die Frage, wie es um die so staunenswerte Schöpfung heute bestellt ist. Im Lesen, Hören und Nachdenken über den Text wird er aktualisiert und in unserer Gegenwart wirksam. Das biblische Wort, die Heilige Schrift, wird zum Begegnungsraum mit dem Göttlichen.

 

Keine Kinderliturgie ohne biblischen Text

„Da die Schriftlesungen den Kern des Wortgottesdienstes bilden, darf es keine Kindermesse ohne biblische Lesung geben“,  heißt es im Direktorium für Kindermessen (Nr. 41)1. Dieser Grundsatz darf und muss auf alle anderen Formen und Feiern der Kinderliturgie übertragen werden.

Diese Hochschätzung der Heiligen Schrift wurde im Zweiten Vatikanischen Konzil wiederentdeckt, und das haben wir auch unseren evangelischen Schwestern und Brüdern zu verdanken. Die Texte des Konzils sprechen zum Beispiel vom Tisch des Gotteswortes (neben dem Tisch des Brotes) und von der Schatzkammer der Bibel (SC 51)2.  Eine konkrete Folge aus dem Konzil war zum Beispiel die Neuordnung der Leseordnung (Siehe KGG Nr. 131, Gut zu wissen: Die Leseordnung im Kirchenjahr).

 

Stellenwert der Heiligen Schrift

Dieser besondere Stellenwert der Heiligen Schrift soll auch in der Kinderliturgie deutlich werden. Einerseits in der Vorbereitung: So steht der biblische Text auch in der Mitte des gemeinsamen Vorbereitens und ist Ausgangs- und Referenzpunkt aller inhaltlichen Überlegungen.

In die biblische Lesung einführende Worte helfen, den Text besser zu verstehen und ihn einordnen zu können: Zum Beispiel hilft es dem Verständnis von prophetischen Texten, wenn in der Einleitung zum Bibeltext mit einem Satz erklärt wird, was ein Prophet ist.
Wie der Bibeltext vorgetragen, gespielt, dargestellt wird, muss der Aufnahmefähigkeit der Kinder entsprechen. Kinder können und sollen sogar an der Verkündigung beteiligt sein. Das soll aber nicht aus dem Stegreif geschehen, sondern bedarf einer guten Vorbereitung und Probe vor Ort.

Der Umgang mit der Heiligen Schrift bedarf einer wohlüberlegten „Inszenierung“: Diese beginnt bei der Überlegung, welches Buch verwendet wird (wenn nicht aus dem Lektionar vorgetragen wird), wo es geholt wird und wo es abgelegt wird.

Die in einem Gottesdienst vorgesehene Evangeliumsprozession, bei der die MinistrantInnen das Lektionar mit Leuchtern begleiten, kann im Kindergottesdienst mit allen Kindern geschehen: Die Kinder werden eingeladen mit einer Kerze in einem kindgerechten Gefäß das Evangelium zum Verkündigungsort zu begleiten und sich dann rundherum aufzustellen.

 

Lieder können den Stellenwert der Bibel hervorheben

  • Horch, jetzt ist die Bibelzeit
  • Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (LQ 108)
  • Bibelkarawane (T: Markus Ehrhardt, M: Reinhard Horn, aus: Bibelhits. 100 Kinderlieder zum Alten und Neuen Testament, Kontakt Musik Verlag)

     


    1liturgie.de

    2 SC = Sacrosanctum concilium, Konstitution über die Heilige Liturgie

    Tipps zum Bibelsonntag

    Mögliche Aktionen in der eigenen Pfarre

    Literaturtipp

    Von größtem Gewicht für die Liturgiefeier ist die Heilige Schrift

    Bemerkungen zur Heiligen Schrift im Gottesdienst

    Michaela Druckenthaner

    ist Theologin und Geistliche Assistentin sowie Kinderpastoralreferentin bei der Katholischen Jungschar Linz.