
Die Methode des Service Design, eigentlich ein Baukasten verschiedenster Methoden aus unterschiedlichen Bereichen, kommt aus der Wirtschaft und unterstützt Unternehmen, ihre Dienstleistungen und Produkte so zu gestalten, dass diese einen Mehrwert für ihre Kund*innen haben.
Zentrales Element ist ein Wechsel der Perspektive: Nicht ich weiß, welche Bedürfnisse und Wünsche in unserem Fall Kinder und Jugendliche haben, sondern ich begebe mich in „die Schuhe der/des Anderen“ und beziehe Kinder und Jugendliche mit ein, befrage die Menschen, was sie brauchen und entwickle mit diesem Wissen gemeinsam mit der Zielgruppe mögliche Angebote.
Streng genommen könnte man dieser Methode im kirchlichen Kontext eine zentrale Formulierung des 2. Vatikanischen Konzils zugrunde legen: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ (Gaudium et Spes 1).
Blickwechsel
Wenn es (nicht nur) im Rahmen des diözesanen Strukturprozesses zur Fragestellung kommt, was wir eigentlich als Kirche, als Pfarre, als Gemeinde, als Jungschar wollen, dann sollte unbedingt dieser Blickwechsel stattfinden. Versetzen wir uns in die Menschen und gehen wir mit ihnen den Weg, um herauszufinden, welche Angebote sie für ihre Bedürfnisse benötigen. Ein vernünftiges Patoralkonzept kann nur von den Bedürfnissen der Betroffenen ausgehen.
Service Design als Toolbox bietet sich an diesen Prozess zu unterstützen. Aufgangspunkt ist dabei das „Double Diamond“-Modell, welches den Prozess in „Problemraum“ (Verstehen) und „Lösungsraum“ (Gestalten) unterteilt.

Der Ablauf wird hier anhand der Fragestellung „Was brauchen Kinder und Jugendliche, damit sie sich in der Pfarre/Gemeinde wohlwühlen?“ dargestellt:
Der erste Diamant
Am Beginn steht die Fragestellung (das Problem), die möglichst exakt verstanden werden muss, um zielgerichtet bearbeitet werden zu können. „Das Problem zu erkennen ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung.“ (Albert Einstein)
- Diamant 1 steht für den Raum des Verstehens:
- Es beginnt mit der Erforschung (Exploration) der Bedürfnisse der Kinder/Jugendlichen. Dies kann zunächst durch Literaturstudium geschehen, oder durch eine Landkarte aller relevanten Zielgruppen und deren Vernetzung (Eltern, Gemeinde …). Wichtig ist die Betroffenen selbst einzubeziehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen (Interview, Fragebogen …). Mögliche Fragestellungen können sein: Wie sieht der Alltag der Kinder/Jugendlichen aus? In welchem Kontext nutzen sie unsere Angebote? Welche Erfahrungen machen sie dabei, was frustriert sie, was begeistert sie? Welche Bedürfnisse und Anforderungen lassen sich daraus ableiten? Und wie kann ihr Alltag durch neue Angebote bereichert werden?
- Aus den Antworten werden Kernaussagen herausgearbeitet und die so gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst (Priorisieren). So entstehen Themenfelder, die auf ihre Relevanz für uns geprüft werden müssen – schließlich soll das Angebot ja auch in den Kontext der Leitlinien von Jungschar passen.
Zwei Methoden des Service Design haben sich hier als besonders hilfreich erwiesen:- Persona: Sie erstellt ein Profil der typischen Zielgruppe und hilft so diese exakt zu identifizieren.
Inhalte sind: Namen, Geschlecht, Alter, Ort, Bildung, Hobbies, Wünsche, Ziele; Leitsatz: „Das Leben genießen“ etc. (Details und Anregungen hier) - Customer Journey: Sie zeichnet alle Berührungspunkte (Touchpoints) der Person(a) mit der Pfarre/Gemeinde auf. Ein Beispiel dafür kann der Jungscharstart sein. Wichtig ist dabei der emotionale Wert: Pain-Points (Bsp.: „der Jungscharstart war langweilig“) verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit, da sie dazu führen können, dass kein weiterer Kontakt stattfindet. Anleitung
- Persona: Sie erstellt ein Profil der typischen Zielgruppe und hilft so diese exakt zu identifizieren.
- Es beginnt mit der Erforschung (Exploration) der Bedürfnisse der Kinder/Jugendlichen. Dies kann zunächst durch Literaturstudium geschehen, oder durch eine Landkarte aller relevanten Zielgruppen und deren Vernetzung (Eltern, Gemeinde …). Wichtig ist die Betroffenen selbst einzubeziehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen (Interview, Fragebogen …). Mögliche Fragestellungen können sein: Wie sieht der Alltag der Kinder/Jugendlichen aus? In welchem Kontext nutzen sie unsere Angebote? Welche Erfahrungen machen sie dabei, was frustriert sie, was begeistert sie? Welche Bedürfnisse und Anforderungen lassen sich daraus ableiten? Und wie kann ihr Alltag durch neue Angebote bereichert werden?
Der zweite Diamant
Je klarer und spezifischer die Zielgruppe und die Bedürfnisse herausgearbeitet wurden, umso besser kann im „Gestaltungsraum“ weitergearbeitet werden. Ziel ist es nun für das spezifische Bedürfnis (Bsp.: „Herumtoben mit Freunden“) ein entsprechendes Angebot zu finden. Oft sind die Themenfelder einfach umformulierte Kernaussagen – gerne auch aus den Leitsätzen der Personas entwickelt. Und damit kommt Diamant 2 ins Spiel:
- Diamant 2 steht für den Raum des Gestaltens:
- Wir starten mit einem absolut offenen Prozess des Ideenfindens (Ideation). Hier gilt Quantität vor Qualität. Jede noch so verrückte und unrealistische Idee ist bedeutungsvoll. Die klassische Methode dafür ist das Brainstorming.
- Es folgt eine Priorisierung der Ideen im Team, wobei wichtig ist, dass die ausgewählten Ideen folgende Elemente beinhalten:
- Name der Idee
- Beschreibung
- Visualisierung (als Prototyp gebastelt, gezeichnet ….)
- Nutzen für Kinder/Jugendliche
- Nutzen für die Gemeinde
- Kernaussage (aus dem Raum des Verstehens)
- Customer Journey (Aufbau z.B. mit Lego / Playmobil etc. )
Prototypen entwickeln
Im Raum des Gestaltens nimmt die Entwicklung von Prototypen einen wesentlichen und meist auch sehr lustvollen Platz ein. Wichtig ist dabei, dass die Prototypen immer auch getestet bzw. im Idealfall durch die Zielgruppe bewertet werden. Das Feedback hilft die Prototypen zu verbessern und so tatsächlich Angebote zu schaffen, welche Antworten auf die Bedürfnisse der Zielgruppe – in unserem Fall die der Kinder und Jugendlichen – sind.
Die Summe der so erstellten Angebote mündet dann in ein Konzept, wie Jungschar in der neuen diözesanen Struktur praxistauglich vor Ort gelingen kann, weil letztlich die Betroffenen selbst in die Erstellung der Angebote eingebunden waren.
Service Design benötigt Zeit – nehmt euch als mindestens einen Tag Zeit, besser ein Wochenende.
Service Design lebt vom Team-Gedanken – gerade die Vielfalt bringt die besten Ideen hervor.
Service Design lebt von Kreativität – lasst euch darauf ein und setzt euch keine Denkgrenzen.
Und probiert es einfach einmal aus! Mehr Infos findest du hier.





