
Die Jungschar feierte 2022 den 75. Geburtstag. In unserer Gesellschaft und auch in der katholischen Kirche in Österreich ist vieles im Umbruch – es werden größere Pfarreinheiten gebildet und auf allen Ebenen wird umstrukturiert. In diesen Umbrüchen stellen wir uns auch als Verein, als Organisation diese Fragen: Wer sind wir als Jungschar? Was prägt uns? Welche Haltungen sind uns wichtig? Wofür stehen wir ein?
In der Mitte stehen die Kinder
Unser „Slogan“, unser Leitwort nimmt sich Jesus zum Vorbild. Wenn wir Jesus begegnen wollen, ihm nahe sein, dann müssen wir uns um die Kinder kümmern, sie mit offenen Armen empfangen und sie segnen (Mk 9,30ff und Mk 10,13ff). Als Kinderorganisation der Katholischen Kirche ist Jesus nicht aus unserer Mitte wegzudenken. Er steht mit den Kindern in der Mitte.
Wenn wir mit den Mädchen und Buben spielen, wenn wir quatschen, basteln, Feste feiern ist das seelsorgliches = pastorales Tun. Wir sorgen uns um die Kinder, teilen das Leben mit ihnen, begleiten sie, sind für sie da. Es geht um persönliche Begegnungen, in denen die Liebe Gottes spürbar wird, in denen der Funke der Begeisterung und der Menschenliebe Jesu überspringt. Es geht um das Gefühl wertgeschätzt und gehört zu werden: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ fragt Jesus den Blinden, obwohl es so offensichtlich scheint, was dieser sich aus ganzen Herzen wünscht (Lk 18,41). Es geht um das Einüben eines demokratischen Miteinanders, in der jede Stimme, auch die leisen, gehört werden. Und um das Einüben einer weltweiten Solidarität – denn wir sind nicht allein auf der Welt, die Ressourcen sind begrenzt und das Klima geht uns alle an. Die Bibel redet von Schwertern, die zu Pflugscharen werden (u.a. Jesaja 2,2-4), davon, dass alle satt werden (Mt 14,20) und die Ungerechtigkeiten einmal ein Ende haben (Mt 5,6). Die Verwirklichung dieser Vision von einer besseren Welt versuchen wir mit den Kindern zu beginnen, wenn wir uns im Jungscharalltag im Teilen üben oder wenn wir Sternsingen gehen. Auch das gehört wesentlich zu uns, zu dem, wer wir sind.
Einfach Kind sein dürfen
Jungschar ist ein Lebensraum, in dem die Kinder einfach Kinder sein dürfen. Jungschar ist aber auch Kirche mit Kindern. Aber dürfen Kinder in der Kirche wirklich Kind sein? Welche Kirche brauchen Kinder?1 Die Corona-Zeit zeigt uns Alternativen auf und neue Wege. Vielleicht müssen wir Kirche mit Kindern ganz neu und experimentell denken? Das ist vielleicht unsere größte Herausforderung: als Jungschar für eine kindgerechte Kirche und ein kindgerechtes Feiern in der Liturgie einzustehen und uns dafür einzusetzen. Dazu ist es wichtig, in der Pfarre gut vernetzt zu sein und sich einzubringen – zum Beispiel im Pfarrgemeinderat oder im Fachteam Kinder & Jugend oder Kinderliturgie (Achtung Werbeeinschaltung: Nimm deine Stimme wahr und lass dich wählen bei der PGR-Wahl am 20. März 2022!)
Was Kirche ausmacht
In vielen Pfarren gibt es Seelsorgeteams, die sich der Grundfunktionen von Kirche annehmen. Christlicher Glaube zeigt sich in den oft unspektakulären Erfahrungen von Gemeinschaft (Koinonia), in alltäglichen und besonderen Zeichen von Nächstenliebe und Solidarität (Diakonia), in der mitgeteilten Liebe Gottes im Erzählen und Erleben des Evangeliums, in der gemeinsamen Suche nach Sinn (Verkündigung, Martyria) und im Entfalten christlicher Spiritualität und im Feiern des Glaubens im Gottesdienst (Liturgie). Jungschar und Kinderpastoral lassen sich nicht einer dieser Grundfunktionen zuordnen, denn wir leben sie alle in unseren Handlungsfeldern: Jungschar ist Gemeinschaft, das ist unverrückbare Basis unseres Tuns. Wir treten für die Kinder ein, für ihre Rechte, für ihren Raum in Kirche und Gesellschaft (Lobby). Zum 75-jährigen Jubiläum haben wir unsere Resolution überarbeitet und erneuert. Mit dem Dokument wollen wir uns als Jungschar Österreich auch lautstark zu Wort melden2.
Kindern ist Gerechtigkeit ein Anliegen – nicht nur, wenn sie selbst betroffen sind. Im Sternsingen bietet sich ihnen eine konkrete Handlungsmöglichkeit. Für viele Pfarren ist die Sternsingeraktion außerdem die größte Aktion in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und weltweiter Diakonia. Ganz ausdrücklich verkünden wir das Evangelium, wenn wir in Gruppenstunden und Kindergottesdiensten Jesusgeschichten spielen, erzählen oder diskutieren. Aber viel öfter wird unser Glaube deutlich, wenn wir einfach gemeinsam die Wunder der Natur bestaunen, über das Leben reden, den Alltag deuten oder philosophieren oder einfach als Christ*in handeln. Wenn wir mit den Kindern auch mal Stille üben, eine Kerze anzünden, wenn wir singen, wenn wir beten, zu den Festen im Jahreskreis miteinander spielen, basteln, uns vorbereiten, wenn mir gemeinsam Gottesdienst feiern nehmen wir die 4. Grundfunktion wahr, die Liturgie. Als Jungschar sind wir in allem, was wir tun, Kirche – im Feiern, im Spielen, im Plaudern und im Zusammensitzen am Lagerfeuer.
Es tut gut, sich das wieder einmal ins Bewusstsein zu rufen oder auch in der nächsten Diskussion am Kirchenplatz oder im Pfarrgemeinderat im Hintergrund zu haben.
Was uns wichtig ist
Im Nachdenken darüber, wer wir als Jungschar sind und auch in der Zukunft sein wollen, greifen wir auf Texte zurück, die in den letzten 75 Jahren erarbeitet und immer wieder aktualisiert worden sind, wie das Leitbild - Katholische Jungschar oder auch das pastorale Selbstverständnis. Sie sind unsere Basistexte, unsere Identität, unsere Wurzeln. Vielleicht hast du ja Lust bekommen, mal reinzulesen?
1Zum kindgerechten Kirchenraum: Kirche – Raum für Kinder?! und Unsere Kirche ist für alle da?





