Let's vote Jungschar!
Wir beginnen ein neues Jungscharjahr! Und da der Jungscharalltag oft sehr schnell einkehrt, ist es hilfreich, sich gleich zu Beginn mehrere Highlights des Jungscharjahres zu überlegen.

In dieser Gruppenstunde tun die Kinder es den "Großen" gleich und schlüpfen in die Rolle von Jungschar-Politiker*innen. Sie entwickeln in kleinen, eigens gegründeten Parteien Jungscharjahresprogramme, diskutieren diese und stimmen danach im Jungscharrat ab. Dabei darf vor allem eins nicht fehlen: jede Menge Spaß und Schokolade!
Hinweis: Diese Stunde kannst du je nach der dir zur Verfügung stehenden Zeit abkürzen oder verlängern. Du kannst zum Beispiel die Anzahl der Programmpunkte, die jede Partei vorschlagen soll, festlegen oder auch die Themenbereiche eingrenzen. Wenn du mehr Zeit zur Verfügung hast, kannst du Erweiterungen hinzufügen oder den Kindern mehr Zeit lassen.
Dauer: mind. 15 min
Die Kinder erfahren nach einem Einstiegsspiel (Ideen findest du hier), um was es in der heutigen Stunde geht. Es sind Jungscharjahr-Neuwahlen ausgerufen und es liegt nun an den Kindern, das Programm des neuen Jungscharjahres zu gestalten und danach abzustimmen. So eine Neuwahl muss aber auch gut vorbereitet sein. Dazu werden Parteien gebildet (mindestens 3 Parteien mit maximal 8 Kindern pro Partei) und die Kinder bekommen 10 Minuten Zeit, um sich einen Namen für ihre Partei, ein Motto und die Rollenverteilung in der Gruppe auszumachen. Wenn du genügend Zeit hast, können die Parteien auch Wahlplakate gestalten. Bevor du die Parteien in die Arbeitsphase schickst, achte darauf, dass die Aufgabenstellungen und Rollen für alle verständlich sind! Es ist hilfreich, wenn du ein Plakat gestaltest, auf dem die Aufgaben und die Rollen noch einmal kurz beschrieben sind.
Deine Aufgabe ist zu unterstützen, wenn Unterstützung gebraucht wird: bei der Rollenverteilung, beim Kreativsein, ...
Es gibt folgende Rollen in jeder Partei:
Je nach Anzahl der Kinder kann diese Rollenliste gekürzt oder erweitert werden. Themengebiete können auch mehrfach innerhalb einer Partei besetzt sein.
Dauer: mind. 20 min
Um möglichst viele Wähler*innen zu überzeugen, muss ein Wahlkampf gut ausgearbeitet sein. Vor allem muss an die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten gedacht werden. Im Parteiprogramm soll für jede und jeden etwas dabei sein. In dieser Arbeitsphase werden die Kinder kreativ und stellen ihr Traum-Jungschar-Jahresprogamm zusammen. Dazu ist es hilfreich, wenn du ihnen einen Jungscharstundenraster zur Verfügung stellst, an dem sie sich orientieren können und in dem Fixtermine wie Jungscharlager, Sternsingen, Dekanatsveranstaltungen etc. schon eingetragen sind.
Sag regelmäßig durch, wieviel Zeit noch zur Verfügung steht, damit die Kinder sich am Ende noch kurz zusammenreden können und sich die SprecherInnen für die ElefantInnenrunde vorbereiten können.
Dauer: mind. 15 min
In der Elefant*innenrunde gilt es die Wähler*innen zu überzeugen. Bevor du die Elefant*innenrunde startest, kannst du ein kurzes Auflockerungsspiel mit den Kindern spielen. In der Jungschar-Spiele App findest du viele Vorschläge dafür. So fällt es den Kindern leichter aus ihren Rollen als Parteimitglieder herauszuschlüpfen.
Die Parteiobfrauen/-männer präsentieren ihre Jungschar-Jahresprogramme. Du als Gruppenleiter*in moderierst und achtest darauf, dass alle zu Wort kommen. Bereite dazu, wie in der echten Elefant*innenrunde, einen Diskussionstisch mit Namensschildern, Trinkgläsern, ... vor. Alle anderen Kinder sitzen im Publikum und sind die Wählerinnen und Wählern. Dazu bekommt jedes Kind 10 Schokoladenstückchen, die seine Stimmen sind.
Vor dem Publikum steht für jede Partei ein beschriftetes Körbchen. Wenn den Kindern ein Vorschlag einer Partei gefällt, können sie eins oder mehrere ihrer Schokoladenstückchen in das Körbchen legen; wenn sie gegen einen Vorschlag sind, dürfen sie eines wieder herausnehmen. Ganz wichtig: Sie müssen mindestens fünf der zehn Stimmen für Vorschläge von anderen Parteien hergeben. Auch du als Gruppenleiter*in hast natürlich Stimmrecht und stimmst genauso mit, vorausgesetzt du bist nicht in der Moderation. So kannst du auch motivieren, wenn die Kinder nicht gleich aktiv mitstimmen oder auch einer Partei, die gar keine Stimmen bekommt, ein paar Schokoladenstückchen abgeben. Für die darauffolgende Diskussion ist es sinnvoll, wenn du mitnotierst, welche Vorschläge gut ankommen und welche auf Widerstand stoßen. Am Ende sollen alle Schokoladenstückchen verteilt sein; gib also auch nach Ende der Diskussionsrunde noch kurz Zeit, die restliche Schokolade zu verteilen.
Dauer: mind. 10 min
Am Ende wird ausgezählt, welche Partei wieviele Schokoladenstimmen hat und wessen Jungschar-Jahresprogramm dadurch angenommen ist. Ihr könnt noch besprechen, ob ihr einzelne Programmpunkte umändern wollt. Auf einem großen Plakat haltet ihr fest, was ihr beschlossen habt, während ihr gemeinsam die Schokoladenstimmen vernascht.
Mögliche Erweiterungen:
In Koalitionsgesprächen können die Kinder ausdiskutieren, mit welcher Jungscharpartei sie zusammenarbeiten wollen und von wem sie welche Vorschläge ins Jungscharprogramm aufnehmen wollen. Dazu werden am besten Koalitionsbeauftragte in den Parteien auserwählt.
Ihr könnt auch regelmäßig Jungschar-Ratssitzungen abhalten, in denen ihr über anfallende Themen/Probleme diskutiert und abstimmt. Wie das funktionieren kann, findest du hier.
Material: Zettel, Stifte, vorbereitete Raster für die Jungscharstunden, 10 kleine einzeln verpackte (FairTrade)-Schokoladenstückchen pro Kind (alternativ können auch andere Leckereien oder auch Steinchen verwendet werden), ein kleines Körbchen pro Klub
Ob Klimapolitik, eine Ibiza-Affäre oder eben die anstehenden Neuwahlen – ist Politik ein Tabuthema, über das man in der Jungschar nicht sprechen darf? Wir finden nicht. Und doch gibt es ein paar kleine Hinweise, die wichtig sind, wenn du es in der Jungscharstunde politisch werden lassen möchtest. Die Antworten auf die folgenden Fragen sollen dir helfen.
Darf ich denn in der Jungschar überhaupt über Politik sprechen?
Natürlich! Politik ist ein ganz wichtiger und riesengroßer Teil unseres Lebens, auch des Lebens der Kinder, und als solcher darf und soll sie auch einen Platz in der Jungschar haben. Dabei geht es aber in der Jungschar auf keinen Fall darum, parteipolitisch zu diskutieren oder gar eine spezifische Partei zu bewerben. Kinder sollen stattdessen in der Jungschar einen Platz finden, wo sie ihre eigene Meinung zu unterschiedlichen Themen finden können, diese aussprechen und vertreten können und wo sie lernen, miteinander zu diskutieren ohne zu streiten.
Hilfe, ein Kind fragt mich nach meiner Meinung!
Es liegt ganz an dir, ob du deine politischen Standpunkte verraten möchtest oder nicht. Du bist auf keinen Fall dazu verpflichtet. Wenn du deine Meinung sagst – was absolut legitim ist – ist es aber auch wichtig, dass du diese ganz klar als deine persönliche Meinung ausgibst und den Kindern klar machst, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, welche ihre Berechtigung haben. Am besten fragst du die Kinder auch nach ihrer Meinung und unterstützt sie dabei, nicht nur blind anderen zuzustimmen, sondern einen eigenen Standpunkt zu finden.
Sei dir bewusst, dass du als Gruppenleiter*in eine große Vorbildfunktion hast. Du darfst auf keinen Fall den Kindern deine politischen Meinungen aufdrücken oder sie gar manipulieren, aber du kannst ihnen klarmachen, dass es in unserer Demokratie viele voneinander abweichende Meinungen gibt, was unsere Demokratie zwar schwierig, aber auch so spannend und wertvoll macht.
Soll ich in der Jungschar über (Tages-)Politik sprechen?
Es ist absolut kein Pflichtthema. Wenn du Lust hast und besonders interessierte Kinder in deiner Gruppe sind, kannst du eine Stunde dazu gestalten. Die Jungschar soll aber nicht zum politischen Bildungsunterricht mutieren und der Spaßfaktor soll niemals fehlen. Beachte auch, dass viele Geschehnisse/Abläufe, die in der Tagespolitik passieren, für Kinder, besonders für jüngere Kinder, viel zu abstrakt und kompliziert sind.
In der Jungschar ist es uns aber durchaus wichtig, dass Kinder erfahren, dass ihre Meinung zählt und Gewicht hat und dass sie lernen, wie wichtig es sein kann, sich für das einzusetzen, was einem wichtig ist. Da geht es nicht darum, dass die Kinder wissen, wer zu welcher Partei gehört und welche Partei gewisse Standpunkte vertritt, sondern darum, dass die Kinder lernen ihre persönliche Meinung zu vertreten und die Meinungen von anderen zu akzeptieren.
ist Bildungsreferentin im Team Kinder | Katholische Jungschar Linz und philosophiert gerne über Gott und die Welt.