Momo und die gestohlene Zeit

10.01.2022 | von Lukas Öttl
Eigentlich ist im italienischen Städtchen mit dem Amphitheater alles in Ordnung. Doch eines Tages beginnen graue Herren den Menschen ihre Zeit zu rauben. Einzig Momo und die Schildkröte Kassiopeia können sie nicht überlisten. Können die beiden den Menschen die Zeit zurückbringen?
Kinderanzahl
Kinderanzahl
ab 5 Pers.
Gesamtzeit
Gesamtzeit
60 Minuten

Vorbereitungen

Am besten verkleidet sich ein*e Gruppenleiter*in als Momo und eine*r als Schildkröte Kassiopeia, außerdem braucht ihr eine*n Erzähler*in. Letztere*r liest die Geschichte, Momo und Kassiopeia übernehmen die Dialoge. Als Verkleidung bietet sich für Momo ein zu großer Mantel und eine wuschelige Frisur oder Perücke an, für Kassiopeia ein grüner Umhang als Schildkrötenpanzer.

In einer schönen kleinen italienischen Stadt lebt Momo, ein kleines Mädchen, mit ihrer sprechenden Schildkröte Kassiopeia. Die beiden haben kein Haus, sondern wohnen in einem alten römischen Amphitheater. Sie haben auch sonst nicht viele Besitztümer, doch dafür haben sie viele Freundinnen und Freunde. Momo spielt gerne mit den Kindern und eine Sache kann sie besonders gut: Zuhören.

 

Stille Post

Dauer: 10 Minuten

  1.  Alle Kinder setzen sich in einen Kreis.
  2. Ein Kind überlegt sich ein Wort, gerne ein sehr langes und schwieriges.
  3. Es flüstert seinem/seiner Nachbar*in im Sitzkreis das Wort ins Ohr.
  4. Der/Die Sitznachbar*in flüstert wiederum seinem/seiner Nachbar*in das Wort ins Ohr usw.
  5. Das letzte Kind im Kreis sagt das Wort laut. Haben alle gut genug zugehört, ist es das Wort, das das erste Kind ausgewählt hat.
  6. Ein anderes Kind lässt sich jetzt ein Wort einfallen, das Spiel beginnt von Neuem.

 

Momo nimmt sich also immer viel Zeit für ihre Freundinnen und Freunde und hört allen Menschen immer gut zu. Doch eines Tages tauchen die grauen Herren auf. Sie tragen graue Anzüge und rauchen graue Zigarren. Sie überreden die Menschen in der kleinen Stadt ihnen ihre Zeit zu geben und stehlen sie ihnen so. Die Bewohner*innen haben nun keine Zeit mehr für all die schönen Sachen, die Momo so liebt: Spielen, Quatschen und Zuhören. Nur Momo und Kassiopeia lassen sich von den grauen Herren nicht beeindrucken. Das ist den grauen Herren natürlich gar nicht recht, sie wollen ja am liebsten die ganze Zeit der Menschen für sich haben. Deshalb versuchen sie Momo und Kassiopeia zu fangen.

 

Lauf, Momo, lauf!

Dauer: 10 Minuten

  1. Ein Kind meldet sich freiwillig und spielt die Rolle des grauen Herren, die anderen Kinder spielen die Kinder in der kleinen Stadt.
  2. Der graue Herr dreht sich zur Wand.
  3. Die Kinder wählen jetzt lautlos eine Momo unter ihnen aus.
  4. Der graue Herr dreht sich um und versucht nun Momo zu fangen. Dazu muss er ihr auf die Schulter tippen.
  5. Tippt der graue Herr einem anderen Kind, das nicht Momo ist, auf die Schulter, wird es versteinert. Hinter den versteinerten Kindern kann sich Momo verstecken.
  6. Schafft es Momo als Letzte von den Kindern vom grauen Herrn angetippt zu werden, haben die Kinder gewonnen.

 

Puh, das war eng! Momo und Kassiopeia sind gerade noch einmal entkommen und konnten sich im Amphitheater verstecken. Doch draußen hat sich die Welt schon gewaltig verändert: Alle Menschen haben es eilig, hektisch laufen sie auf der Straße auf und ab, sie arbeiten viel und haben fast keine Freizeit, auch die Kinder sind fast immer in der Schule. Momo macht das traurig: Sie fühlt sich allein. Da sagt sie zu Kassiopeia: „Wir müssen etwas unternehmen, die grauen Herren müssen verschwinden, damit die Menschen wieder mehr Zeit haben!“ In der Nacht verfolgen sie einen der grauen Herren zu deren Hauptquartier. Dort gibt es eine große Schatzkammer, in der die ganze Zeit der Menschen aufbewahrt wird. Doch leider ist die Tür verschlossen, man kommt nur hinein, wenn man folgendes Rätsel löst.

 

Rätsel

Dauer: 5-20 Minuten

Option 1: Für erfahrenere Rätselfüchs*innen (Originalrätsel aus Michael Ende „Momo“)

„Drei Brüder wohnen in einem Haus

sie sehen wahrhaftig verschieden aus,

doch willst du sie unterscheiden,

gleicht jeder den anderen beiden.

Der erste ist nicht da, er kommt erst nach Haus'.

Der zweite ist nicht da, er ging schon hinaus.

Nur der dritte ist da, der Kleinste der drei,

denn ohne ihn gäb‘s nicht die anderen zwei.

Und doch gibt‘s den dritten, um den es sich handelt,

nur, weil sich der erste in den zweiten verwandelt.

Denn willst du ihn anschauen, so siehst du nur wieder

immer einen der anderen Brüder!

Nun sage mir, sind die drei vielleicht einer?

Oder sind es nur zwei? Oder ist es gar – keiner?

Und kannst du, mein Kind, ihre Namen mir nennen,

so wirst du drei mächtige Herrscher erkennen.

Sie regieren gemeinsam ein großes Reich

und sind es auch selbst! Darin sind sie gleich.“

 

Tipp: Das Thema des Rätsels ist die Zeit.

Lösung: Die drei Brüder sind Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.

 

Option 2: Für Rätselanfänger*innen

Ist A, B, C, oder D die richtige Uhr?

 

Tipp: Man muss in der Zeit zurück gehen.

Lösung: C (Es kommt nur auf den langen Zeiger an: Zuerst die volle Stunde, dann dreiviertel, dann halb und zum Schluss viertel nach.)

 

„Juhu, wir haben die Lösung gefunden“, sagt Kassiopeia. Und tatsächlich: Die Tür schwingt auf und eine bunte, glitzernde Wolke kommt heraus. So sieht also die Zeit aus, die die grauen Herren den Menschen gestohlen haben! Die Wolke schwingt sich in die Höhe und fliegt ganz langsam zurück zur kleinen italienischen Stadt mit dem Amphitheater. Als sie ankommt, bleiben alle Menschen wie angewurzelt stehen und schauen nach oben. Ihre Gesichter hellen sich auf, sie fühlen, wie Entspannung die Leere in ihnen füllt, die die gestohlene Zeit zurückgelassen hat. Sie beenden ihre Arbeit, die Kinder stürmen aus der Schule, alle machen wieder, worauf sie eigentlich Lust haben. Momo grinst Kassiopeia an: „Das haben wir gut gemacht!“ Und die grauen Herren? Die hat seit diesem Tag niemand mehr gesehen.

Lukas Öttl

studiert Latein und Griechisch, lebt also mehr in der Antike als im Jetzt, ist aber trotzdem modern. Er hat einen italienischen Pass und liebt Kaffee, Mozzarella und Parmesan, auch wenn ihm letztere überhaupt nicht gut bekommen. Er wäre trotzdem gerne für einen Tag eine Kuh auf einem Biohof oder ein Wasserbüffel. Wäre er ein römischer Gott, hieße er Somnus, das heißt Schlaf. Nachschichten gibt’s bei ihm also keine, neue Artikel zahlreiche.