Neustart!

07.04.2021 | von Lukas Öttl
Lange waren Jungschar- und MinistrantInnenstunden nicht möglich. Es kann auch sein, dass ihr wegen der aktuellen Krise noch einmal eine Pause machen müsst. Aber wie starte ich wieder? Mache ich weiter wie vorher? Brauche ich einen Neustart?
Kinderanzahl
Kinderanzahl
ab 5 Pers.

Alles steht Kopf

Die letzten Monate haben uns alle sehr geprägt, vor allem der Alltag steht noch immer völlig Kopf: Schule, Lehre und Beruf laufen auf Sparflamme, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten sind noch immer stark reduziert. Auch Kinder – egal in welchem Alter – spüren genau, dass etwas nicht stimmt, Jungscharkinder und MinistrantInnen sind auch von den Einschränkungen betroffen. Am besten ist es daher das Problem mit den Kids zu besprechen, Fragen bestmöglich zu beantworten und vor allem die Gefühle der Kinder zuzulassen. Dazu zunächst ein paar allgemeine Tipps:

  1. Alle Gefühle sind in Ordnung! Vor allem in so einem Ausnahmezustand. Rechnet auch damit, dass es zu heftigen Diskussionen oder Gefühlsausbrüchen kommt. Überlegt euch zum Beispiel, ob es in der Gruppenstunde möglich ist, einen Siafe Space oder Auszeitraum zu vereinbaren.
     
  2. Es ist wichtig, dass ihr selbst gut informiert seid! Aktuelle Bestimmungen für die Gruppenstunden findet ihr auf unserer Homepage. Um den Kindern keine Angst zu machen, solltet ihr ehrlich sein, die Situation aber weder dramatisieren noch verharmlosen.
     
  3. Macht möglichst viel Programm draußen und lasst viel Zeit für freies Spiel! Kinder brauchen Raum auch einmal Blödsinn und Lärm zu machen – gerade, wenn sie den ganzen Tag zu Hause sind.
     
  4. Schafft neue Rituale! Regelmäßige Rituale geben Kindern Sicherheit und eine Struktur. Ihr könnt zum Beispiel versuchen neue Begrüßungs- oder Verabredungsrituale zu vereinbaren. Ein Tipp ist auch die letzte Methode auf dieser Seite.1

 

Reden ist wirklich wichtig. Doch wenn ihr selbst das Thema Corona schon satthabt, bleibt authentisch und versucht es zum Beispiel mit einem der Tipps oben. Wenn ihr mit eurer Gruppe zum Thema arbeiten wollt, findet ihr hier einige Methoden:

 

Stimmungsbarometer

Zeit: 15 min.

Material: Klebestreifen, Schilder (0% - 50% - 100%)

  1. Klebt den Klebestreifen auf den Boden, etwa auf eine Länge von 5m.
     
  2. Platziert an einem Ende das 0%-Schild, in der Mitter das 50%-Schild und am Ende das 100%-Schild.
     
  3. Die Kinder stellen sich entlang der Linie auf. Achtet hier besonders auf den Mindestabstand oder weist die Kinder an eine Maske zu tragen.
     
  4. Lest dann die unten stehenden oder eigene Sätze vor. Stimmen die Kinder voll zu, gehen sie zum 100%-Schild, stimmen die Kinder gar nicht zu, gehen sie zum 0%-Schild. Wenn ihre Zustimmung irgendwo dazwischen liegt, können sie sich zum Beispiel beim 50%-Schild positionieren oder irgendwo zwischen den Schildern. Mögliche Aussagen zur Corona-Krise sind: 

    - Ich bin generell glücklich.
    - Mir ist in letzter Zeit daheim oft langweilig.
    - Ich vermisse die Schule.
    - Ich liebe es viel zu Hause zu sein.
    - Der Online-Unterricht fällt mir schwer.
    - Ich habe in letzter Zeit genügend Freunde und Freundinnen gesehen.
    - Ich hatte in letzter Zeit viel Streit, zum Beispiel mit meinen Geschwistern oder meinen Eltern.
    - Ich trage gerne eine Maske.

  5. Wenn sich die Kinder aufgeteilt haben, könnt ihr auch noch nachfragen. Es bietet sich vor allem an, wenn ein Kind recht allein an einer Stelle am Barometer steht, zu fragen, warum es da steht.

 

5-Finger-Reflexion

Zeit: 15 min.

Material: großes Plakat, kleine Zettel, Stifte, Tixo

  1. Malt eine große Hand auf ein Plakat.
     
  2. Überlegt euch fünf Punkte, über die ihr reflektieren wollt. Wichtig ist dabei, dass positive und negative Dinge ausgeglichen vorkommen. Hier fünf Beispielsätze, die zur Corona-Krise passen: (1) Das war super! (2) Das hat mir gefehlt. (3) Das war mein Highlight. (4) Das war besonders wichtig. (5) Darauf weise ich hin.
     
  3. Schreibt je einen Satz in jeden Finger der Hand, am besten in fünf verschiedenen Farben.
     
  4. Die Kinder kommen in einen Sitzkreis auf den Boden. Das Plakat liegt in der Mitte. 
     
  5. Jedes Kind bekommt fünf kleine Zettel, am besten in denselben Farben wie die Finger. Dort schreibt jedeR ihre/seine Gedanken auf. Nehmt euch dafür etwa 7-10 Minuten Zeit.
     
  6. Die Kinder dürfen ihre Zettel dann zur Hand kleben. Wenn sie wollen, dürfen sie auch etwas dazu sagen. Wenn einem Kind nichts einfällt, ist das nicht schlimm. Reflexion muss freiwillig bleiben!

Achtung: Es kann passieren, dass Kinder hier für sie schlimme Erlebnisse schildern (z. B. Die Eltern streiten immer.). Bietet eure Hilfe an, doch macht das diskret und nicht vor der versammelten Gruppe.

 

Wie geht es mir?

Zeit: 15 min.

Material: Zettel, die mit Emotionen beschriftet sind (zum Beispiel: glücklich, traurig, fröhlich, zufrieden, überrascht, panisch, ängstlich, zornig, müde)

  1. Kommt im Sitzkreis zusammen.
     
  2. Legt die Zettel, die mit den Emotionen beschriftet wurden, verdeckt in die Mitte.
     
  3. Ein Kind beginnt: Es zieht ein Gefühl und versucht es pantomimisch darzustellen. Es fragt dann: „Wie geht es mir?“
     
  4. Die anderen Kinder versuchen das Gefühl zu erraten.
     
  5. Wenn sie das Gefühl erraten haben, besprecht, ob und wann sie in den letzten Monaten dieses Gefühl gehabt haben und warum.
     
  6. Das nächste Kind ist dran.

Achtung: Auch hier könnten schwierige Situationen entstehen. Kümmert euch um die Kinder, aber tut dies nicht vor der versammelten Gruppe.

 

Ich als Opa oder Oma

Zeit: 30 min.

Material: Zettel, Stifte

  1. Leitet die Reflexionsübung folgendermaßen ein: „Stellt euch vor, wir haben das Jahr 2080. Euer Enkel oder eure Enkelin fragt euch: Du Oma, du Opa, wie war das eigentlich damals 2020 in der Corona-Krise? Wie habt ihr da gelebt?“
     
  2. Die Kinder gehen zu zweit zusammen, ein Kind ist der Enkel/die Enkelin, das andere die Oma/der Opa.
     
  3. Der Enkel/Die Enkelin denkt sich Fragen aus, die er/sie der Oma/dem Opa stellen möchte. Wenn den Kindern nichts einfällt, könnt ihr ihnen folgende Fragen an die Hand geben:

    - Wie alt warst du in der Corona-Krise?
    - Warst du schon in der Schule oder was hast du gemacht?
    - Wie war das mit der Schule?
    - Woran hast du gemerkt, dass etwas nicht stimmt?
    - Was durfte man nicht? Oder was musste man machen?
    - Wie hast du dich gefühlt?
    - Hat dir jemand  in der Situation geholfen? Wer?
    - Gott sei Dank war es irgendwann vorbei! Was hast du als erstes gemacht, als es vorbei war?
    - Wenn wir wieder so eine Krise hätten, was würdest du mir raten?

  4. Wenn noch Zeit bleibt, können die Kinder die Rollen tauschen.

 

Schau nach vorn!

Zeit: 30 min.

Material: Papier- oder Backpapierrolle, Stifte, Kleber, evt. Fotos, Bilder, Zeitungen

  1. Rollt das Papier aus und malt mit einem dicken Filzstift einen Zeitstrahl darauf. Markiert eventuell gewisse markante Punkte in nächster Zeit (zum Beispiel Ferien, Feiertage etc.).
     
  2. Die Kinder versammeln sich rund um den Zeitstrahl.
     
  3. Sie können nun ihre Vorhaben für die nächste Zeit abbilden: zeichnen, schreiben, Fotos und Bilder aufkleben etc.
     
  4. Hebt die Rolle auf! Ihr könnt sie in jeder Gruppenstunde weitergestalten.

 


1Quelle: https://www.salto.bz/de/article/18042020/corona-virus-mit-kindern-sprechen

Lukas Öttl

ist Teil des voll.bunt Teams und kennt sich bei Jungscharsachen ganz genau aus.