„Warum gehst du in die Kirche, Mama?“

02.04.2026 | von Michaela Druckenthaner
Oft genug bringen mich die Fragen unseres dreijährigen Sohnes zum Nachdenken. Warum ich in die Kirche gehe? Weil ich dort Ruhe und Zeit finde, um still zu werden und um mit Gott zu reden.

Vor kurzem waren wir in der Pfarre Marcel Callo, Linz Auwiesen, die in der Tuchfabrik, einem ehemaligen Fabriksraum, Platz gefunden hat. „Ist das auch eine Kirche, Mama?“. Ja, denn Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft, Alte und Junge, … feiern dort miteinander Gottesdienst und leben die Botschaft Jesu: Wir sind alle Kinder Gottes. „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn alle seid ihr eins in Christus Jesus.‘“ (Gal 3,28) Trotz aller Unterschiede haben wir eine Vision von der Welt als einem guten Ort, einem Ort der Menschlichkeit, einem Ort des Widerstands gegen alle Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Unterdrückung. Kirche als Keimzelle der Menschlichkeit.

Das ist für mich Kirche. Und was ist Kirche für dich? (Klick hier um zu lesen, was andere dazu sagen und teile dein Bild von Kirche)

 

Der Begriff „Kirche“

hat mehrere Wortbedeutungen. Wenn wir mal die Gebäudebezeichnung beiseite lassen, ist es hilfreich, die Institution Kirche als äußere Organisationsform und Kirche als Glaubensgemeinschaft, als Gemeinde, als Versammlung der Gläubigen zu verstehen, die die Botschaft Jesu weitertragen und leben will. Mit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-65) hat sich das Kirchenverständnis verändert. Es ging weg vom statischen, hierarchischen Kirchenbild hin zum Volk Gottes, das unterwegs ist. Jede*r Getaufte ist ein wertvoller Teil der Kirche. Paulus beschreibt in seinem Brief an die Gemeinde von Korinth die Kirche als Leib mit vielen Gliedern. Nur im Zusammenspiel der Körperteile funktioniert das große Ganze, dessen Haupt Christus ist (1 Kor 12) (und nicht ein Bischof oder ein Papst!).

Wenn wir sagen: „Wir sind Kirche“, dann heißt das, dass dort, wo wir Kirche leben – in unserer Pfarre, in der Jungschar- oder Ministunde, Kirche lebendig ist durch uns, und dass wir diese Kirche mit unserem Tun mitbauen. Denn da, wo wir mit und für die Kinder da sind, mit ihnen Mitmenschlichkeit einüben und uns auf die Suche machen nach dem Sinn und den großen Fragen des Menschseins, da wo wir begleiten, bestärken, wo wir einfach da sind – da folgen wir Jesus nach, der mehr wollte als einen kleinen Fischerverein zu gründen. Jesus wollte ein Leben in Fülle und Gerechtigkeit, ein Leben in Freude, ein gutes Leben für alle. Das ist unser Auftrag.

 

Jungschar ist Kirche mit Kindern

So steht es in unserem Leitbild: „Wir bestärken Kinder in ihrer religiösen Entwicklung. Wir ermutigen sie im Fragen und Suchen nach dem Sinn des Lebens. Im gemeinsamen Gespräch und in der gemeinsamen Feier teilen wir mit den Kindern unser Vertrauen auf den uns zugewandten Gott. Wir bemühen uns um eine kindgerechte Gestaltung der Liturgie und des Gemeindelebens in der Pfarre.“

 

Wie geht das?

Sich im religiösen Fragen üben - Zweifelnde gesucht! Eine Grundvoraussetzung ist, dass du dich selbst den Fragen, die Glaube und Kirche an dich stellen, nicht entziehst. Auch Zweifel sind wichtig! Sie sind ein Zeichen dafür, dass sich jemand Gedanken über etwas macht und dass eine Sache wichtig ist und darum bedacht werden muss. Der Philosoph Descartes sah im Zweifel geradezu ein Kennzeichen des denkenden Menschen: „Was bin ich? Ein denkendes Wesen. Was ist das? Ein Wesen, welches zweifelt, einsieht, bejaht, verneint, will, nicht will, auch einbildet und empfindet." Im Gespräch mit den Kindern sind nicht die „richtigen Antworten“ wesentlich, sondern Offenheit den Fragen gegenüber: „Da muss ich erst darüber nachdenken“ und komm beim nächsten Mal darauf zurück. Rückfragen helfen miteinander ins Gespräch zu kommen und die Einsichten der Mädchen und Buben wertzuschätzen: „Wie siehst denn du das?“ „Was glaubst denn du?“

 

Du bist den Kindern Beispiel!

So wie du dein Christ*in-Sein lebst, so bist du ihnen ein wichtiges Vorbild. So wie du deine Werte im Alltag lebst, wie du singst, wie du lachst, wie du betest, wie du zweifelst, wie du liebevoll mit den Mädchen und Buben umgehst – all das erzählt den Kindern von deiner Hoffnung, deinem Vertrauen ins Leben und von Gott.

 

Setz dich ein für die Kinder in der Pfarre!

Kinder sind genauso wertvolle Gemeindemitglieder wie alle Erwachsenen auch. Sie sollen nicht bloß „ausgehalten“ oder geduldet werden, sondern sich willkommen und beteiligt wissen. Dazu braucht es kindgerecht gestaltete Räume, Veranstaltungszeiten, die zum Tagesablauf der Kinder passen, Materialien und Methoden, die Kinder anregen und ihren spielerischen Ausdruck fördern – auch im Gottesdienst.

Kinder müssen sich im Gottesdienst angesprochen fühlen. Mit zumindest einem Element, das sie persönlich mit einbezieht und das in jeder Gemeindefeier fixer Bestandteil ist, bei der Kinder da sind, erhalten sie einen fixen Platz in der Feiergemeinde. Das kann zum Beispiel ein Kinderkreis beim Vater unser um den Altar sein oder ein Lied, das sie kennen und lieben, … Lass dich inspirieren von den Kindern, wenn es heißt: Das geht nicht! Sie würden fragen: Warum?

 

Setz dich ein für die Kinder in der Welt!

Jungschar hört nicht an der Pfarr- oder Ortsgrenze auf – jedeR gehört zu einem großem Ganzen der Kirche und der Welt und ist auch mitverantwortlich, dass Menschlichkeit, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung verwirklicht werden.

„Warum redest du mit Gott?“ fragt unser Sohn weiter. Weil mir dann bewusst wird, was wirklich wichtig ist im Leben. Zum Beispiel, dass ich dich so sehr liebe und will, dass du in einer Welt groß wirst, wo sich die Menschen respektieren und gut miteinander umgehen. Wo die Gummibärchen geteilt werden, auch wenn ihr nicht beste Freunde seid. In einer Welt, die gut ist und schön….  „Was heißt respektieren?“ „Warum?“ „Wie?“…

 

Michaela Druckenthaner

ist Theologin und Geistliche Assistentin sowie Kinderpastoralreferentin beim Team Kinder | Katholischen Jungschar Linz.