Wieder aufblühen – eine Welt nach Corona

12.02.2021 | von Ewald Staltner
Sie wird kommen, die Zeit nach Corona. Die Frage ist, wie wir unsere Welt gestalten wollen. Jetzt können wir träumen und die Entscheidung treffen, uns für eine bessere Welt einzusetzen.

In seiner Neujahrsansprache hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen zum Träumen aufgerufen:

„Jetzt ist die Zeit, in der wir träumen sollten, wie wir unsere Welt verbessern können.“

Und er hat gleichzeitig die Frage gestellt, ob wir in exakt jene Welt zurückkehren wollen, die wir davor hatten. Wenn wir etwas aus der Pandemie lernen wollen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt darüber nachzudenken, wie eine Welt nach der Überwindung der Corona-Krise aussehen könnte und wie sich diese neue Welt von unserem bisherigen Lebensstil unterscheiden sollte.

 

Kinderstimmen 

Was können wir aus den Erfahrungen des letzten Jahres lernen? Wir haben Kinder befragt, was ihnen in dieser Zeit am meisten gefehlt hat. Übereinstimmend haben sie davon erzählt, dass ihnen die Freunde und Freundinnen in Freizeit und Schule gefehlt haben und dass sie es zu Hause oft nicht leicht gehabt haben. Sie berichteten von Schwierigkeiten beim Lernen, von existenziellen Sorgen rund um den Jobverlust der Eltern und wie „nervig“ das Abstandhalten (vor allem zu den Großeltern) war und ist.

Die Sehnsucht nach Sicherheit, Nähe und Beziehung, wie sie in den Aussagen der Kinder zum Ausdruck kommt, füllt sich gerade in der Krisenzeit mit einer neuen Bedeutung. Scheinbar Selbstverständliches wird zur Besonderheit. Geht es uns nicht allen so, dass das Treffen mit FreundInnen, die Sicherheit des Arbeitsplatzes und ein verlässliches Gesundheitssystem einen neuen Stellenwert bekommen haben?

 

Wir brauchen persönliche Begegnungen 

Die Virtualisierung unseres Zusammenlebens in Videokonferenzen hat gezeigt, dass im digitalen Raum zwar vieles möglich ist, Beziehung aber die persönliche Begegnung auch mit unserer Körperlichkeit braucht. Emojis können das Lachen und Weinen des Gegenübers in seiner Ganzheitlichkeit nicht ersetzten. Der ehrliche Händedruck, die liebevolle Umarmung, der mitleidende Blick setzen die reale Begegnung voraus und können nur so seine heilende Wirkung entfalten.

Das Virus kann uns vieles lehren: von biologisch-medizinischen Grundlagen über die Größe eines Babyelefanten bis hin zur richtigen Hygiene. Neben dem Händewaschen wird es in Zukunft aber das Händereichen sein, welches ein gutes Leben für alle ermöglicht - ein neues Miteinander in unserer Gesellschaft und in unserer Welt.  

In den Zeiten der Pandemie haben wir erfahren dürfen, dass gemeinschaftliche Hilfe und gegenseitiges Rücksichtnehmen die Gesellschaft weiterbringen können. Wesentlich wird es sein, diese Haltungen auch in den Alltag nach der Krise mitzunehmen.

 

Personalität und Solidarität  

In der Katholische Soziallehre finden sich dazu zwei zentrale Prinzipien, welche uns über die Pandemie hinaus begleiten sollen, damit der Traum von einer gerechteren Welt Wirklichkeit werden kann: 

  • Das Personalitätsprinzip besagt, dass allen Menschen die gleiche Würde zukommt. So wie es jetzt selbstverständlich ist, alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen besonders zu schützen, so sollte auch in Zukunft der umfassende Lebensschutz jedes Menschen oberste Priorität haben. Hier wird sich zeigen, wie weit wir als Gesellschaft bereit sind zu gehen.
  • Das Solidaritätsprinzip weitet das Mitfühlende Handeln auf eine weltweite Geschwisterlichkeit aus. Pandemien und die Herausforderungen der Zukunft lassen sich nicht durch nationalstaatliches Handeln und eine in den letzten Jahrzehnten propagierte und gelebte ICH-Mentalität lösen. Die aktuellen Zukunftsprobleme erfordern ein Denken und Tun, welches den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus wagt. Die österreichischen Bischöfe haben darauf schon im Mai des letzten Jahres hingewiesen (vgl. Hirtenwort zum Pfingstfest 2020) und konkrete Maßnahmen zum „erwerbslosen Grundeinkommen“, zur „weltweiten Entwicklungszusammenarbeit“ und zum „Umgang mit Flüchtlingen“ als Lehren gefordert.

 

Was machen wir daraus? 

Es wird letztlich an uns liegen, was wir uns aus dem Jahr 2020 mitnehmen.

Verblasst die Erinnerung an ein herausforderndes Jahr, welches möglichst rasch vergessen werden soll? 

Oder halten wir fest am Guten, das aufblühen konnte? Erinnern wir uns an die Herausforderungen und welche Tugenden letztlich dazu beitrugen, um diese Krise gemeinsam zu bewältigen: Solidarität, Verantwortung füreinander und Rücksicht aufeinander.

Drei Fragen, welche wir beim Nach- und Umdenken und beim Träumen von einer besseren Welt mitnehmen können:

  • Was ist wirklich wichtig?
  • Was nehme ich mir mit? 
  • Was wollen wir weiter umsetzen?

 

Ein religiöser Nachsatz

Heilung hat in der Bibel immer etwas mit Umkehr und Neubeginn zu tun. Heilung ist nicht ein Zurück zum Alten, zum Bisherigen, zum Eingefahrenen, zum Normalen. Heilung ist biblisch gesprochen Veränderung und Verwandlung, die Wiederentdeckung echten und qualitätsvollen Lebens. Als solche ermöglicht Heilung eine neue Form der Beziehung zu Gott und den Menschen. In den Heilungswundern Jesu verändert sich für die Geheilten das Leben radikal, weil sie wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Diese Heilung wünschen wir uns gerade in der Zeit der Pandemie, wenn das gesellschaftliche Leben auf ein Minimum reduziert ist.

Eines der Kinder hat es treffend zum Ausdruck gebracht: „Ich freue mich, wenn ich mit meinen Freunden ins Kino gehen kann. Das Kino wurde nämlich gerade NEU hergerichtet.“ Die Sehnsucht nach Beziehung und Veränderung in einer heilen Welt könnten nicht besser zusammengefasst werden.

 

Schon gewusst? 

Die katholische Soziallehre setzt sich mit den sozialen Herausforderungen der jeweiligen Zeit auseinander und nimmt dazu auf Basis des christlichen Glaubens Stellung. Grundprinzipien sind neben den beiden erwähnten das Prinzip des Gemeinswohls (der Frage nach dem Verhältnis von Einzelnen und Gemeinschaft) und die Hilfe zur Selbsthilfe (Subsidiarität). Nähere Infos unter: Katholische Soziallehre | Sozialreferat der Diözese Linz

Ewald Staltner

ist bereits viele Jahre Mitglied im voll.bunt Arbeitskreis und erstellt schon seit 20 Jahren mit Begeisterung Adventuregames.