Wir spielen eine Rolle: mehr Gehör für die Wünsche der Kinder

18.04.2022 | von Elisabeth Mülleder
Kinder waren für Jesus immer ganz wichtig und das sollten sie auch in der heutigen Kirche sein. Bei allem anderen, was sich in einer Pfarre so tut, gehen die Wünsche der Kinder aber leider manchmal unter. Deshalb ist es gerade jetzt – im Zukunftsprozess der Kirche und auch vor der anstehenden Pfarrgemeinderatswahl – wichtig, darauf aufmerksam zu machen, was Kinder von der Kirche brauchen. Mit öffentlichen Aktionen können diese Bedürfnisse sichtbar gemacht werden.
Kinderanzahl
Kinderanzahl
ab 5 Pers.

Sonntagvormittags-Demo

Alter: 10 – 14 Jahre

Gruppengröße: ab 12 Personen

Dauer: 90 Minuten Plus

Wenn Menschen etwas wichtig ist, gehen sie oft dafür auf die Straße. Das gleiche kannst du mit deinen Jungscharkindern und Minis auch machen. Überlegt euch im Vorfeld gemeinsam, was ihr erreichen wollt und wofür ihr genau demonstrieren wollt. Am besten macht ihr in einer Gruppenstunde ein gemeinsames Brainstorming und redet darüber, was sich die Kinder in und von der Kirche wünschen, was sie stört und was sie gerne ändern würden. Wofür hätten sie gerne mehr Gehör? Und was soll in Zukunft besser werden? Haltet diese Wünsche, Ideen und Forderungen dann auf Plakaten und Bannern fest. Hier könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen: Lasst euch kurze, knackige Aussagen einfallen und verziert eure Werke auch mit Symbolen oder Zeichnungen. Achtet darauf, dass die Schrift groß genug ist, sodass die Forderungen auch aus etwas Entfernung gut lesbar sind. Überlegt euch für die Demonstration außerdem kurze Rufe, die ihr dann gemeinsam schreit. Hier stellt zum Beispiel eine Person laut eine Frage und die Menge antwortet dann. Als Zeitpunkt für die Demo eignet sich der Sonntagvormittag besonders gut. Wenn ihr direkt nach der Messe anfangt, werden eure Wünsche von besonders vielen Menschen gehört.

 

Samensetzen für die Kirche der Kinder

Alter: 7-9 Jahre

Gruppengröße: ab 5 Personen

Dauer: 60 Minuten

Falls dir eine Demo zu provokativ ist, kannst du auch eine etwas ruhigere Aktion durchführen, die aber trotzdem den Fokus auf die Bedürfnisse der Kinder lenkt: Samen oder Pflanzen setzen. Diese Aktion bringt Hoffnung und verdeutlicht, dass, so wie die angesetzten Pflanzen, auch die Ideen und Wünsche der Kinder wachsen werden. Und wenn sie gegossen (also beachtet) werden, tragen sie auch Früchte. Such dir einen passenden Platz für die Pflanzen, wo sie viele Menschen sehen können – der Pfarrhofgarten könnte zum Beispiel so ein Ort sein. Welche Pflanzen angesät werden, ist ganz dir überlassen. Du kannst zum Beispiel Blumensamen einsetzen oder auch größere Pflanzen, vielleicht einen kleinen Baum. In jedem Fall könnt ihr laminierte Zettel aufhängen, auf denen eure Wünsche für die Kinder in der Kirche stehen, entweder auf die Pflanze selbst oder falls du dich für Samen entschieden hast auf einen extra Stock oder auch auf ein eigenes Schild. Das Anpflanzen kannst du entweder in einer Gruppenstunde durchführen oder du organisierst eine öffentliche Veranstaltung, zu der du auch die Verantwortlichen in der Pfarre einlädst. Tragt dann eure Wünsche vor, bevor sie aufgehängt werden.

 

Kunst als Lautsprecher

Alter: 10-14 Jahre

Gruppengröße: ab 5 Personen

Dauer: 90 Minuten Plus

Auch durch Kunst können Missstände in einer Gesellschaft aufgezeigt werden. Das Schaffen von Kunstwerken kann großen Spaß machen und ganz nebenbei auch noch Sichtbarkeit für die Jungscharkinder und Ministrant*innen schaffen. Eine mögliche Umsetzung ist das Gestalten einer Ausstellung. Die Kinder kreieren ihre eigenen Kunstwerke: Zeichnungen, Malereien, Basteleien, Comics oder Graffitis z.B. auf einem alten Leintuch. Wichtig ist, dass ihr im Vorfeld gemeinsam überlegt, welche Wünsche und Forderungen die Kinder an die Kirche oder die Pfarre haben, damit sie diese dann in ihren Werken künstlerisch umsetzen können. Eine andere künstlerische Option ist ein Theaterabend. Überlegt gemeinsam, was ihr mit eurem Stück sagen wollt und denkt euch dann dazu eine Geschichte aus. Am besten lässt du die Kinder dafür zuerst improvisieren; merkt euch dann die Szenen, die besonders passend waren und arbeitet mit diesen weiter. Alternativ zu einem Theaterstück könnt ihr auch einen Poetry Slam veranstalten, bei dem die Kinder Gedichte schreiben und diese vortragen. Wichtig bei all diesen Aktionen ist, dass ihr sie gut bewerbt und auch Verantwortliche der Pfarre einladet, damit eure Wünsche Gehör finden.

 

Podiumsdiskussion

Alter: 12-14 Jahre

Gruppengröße: ab 5 Personen

Dauer: 90 Minuten Plus

Bei einer Podiumsdiskussion diskutieren mehrere Personen vor einem Publikum miteinander. Auch du kannst eine solche Diskussion organisieren. Dafür lädst du mindestens eine/einen Verantwortliche/n deiner Pfarre ein, gerne aber auch mehr. Das Publikum sind entweder die Jungscharkinder, Minis oder interessierte Menschen aus der Pfarre. Wichtig ist, dass du dir im Vorfeld mit den Kindern einerseits überlegst, was genau sie sich wünschen und was sie fordern wollen. Andererseits müsst ihr euch auch gemeinsam gute Argumente überlegen, die ihr dann in der Diskussion verwendet. Macht euch außerdem vor der Diskussion aus, welche Kinder tatsächlich am Podium diskutieren – das werden nicht alle Kinder sein können, aber auch nicht alle Kinder werden das überhaupt wollen. Das Ziel dieser Podiumsdiskussion ist, dass die Verantwortlichen in der Pfarre wissen, was ihr euch wünscht und ihr vielleicht auch schon mögliche Lösungen dafür findet.

Egal, ob du eine dieser Aktionen durchführen willst oder nicht: Wenn du willst, dass die Kinder gehört werden, musst du dafür sorgen, dass die Jungschar in deiner Pfarre sichtbar ist. Eine gute (zusätzliche) Möglichkeit das zu erreichen sind die Sozialen Medien. Macht euch zum Beispiel einen Instagram-Account, auf dem ihr aktiv seid und regelmäßig postet – vor allem auch von euren Aktionen, denn so bekommen die Wünsche der Kinder noch mehr Reichweite. Damit ihr auch in der Pfarre sichtbar seid, ist es wichtig bei Pfarrveranstaltungen dabei zu sein und aktiv zu bleiben. Helft beispielsweise auch hin und wieder bei der Gestaltung der Gottesdienste. Bei den Fürbitten zum Beispiel könnt ihr eure Wünsche an die Kirche auch vor Gott bringen.

Gerade jetzt, wo die Pfarren umstrukturiert werden und eine Pfarrgemeinderatswahl bevorsteht, gibt es die Chance, die Kinder und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Auch wenn du anfangs vielleicht das Gefühl hast, dass sich nichts ändert, bemühe dich weiter! Denn wer, wenn nicht die Jungschar, kann den Wünschen der Kinder in der Kirche Gehör verschaffen?

Elisabeth Mülleder

ist 2001 geboren und studiert jetzt Publizistik und Biologie in Wien. Am liebsten würde sie jeden Tag Nudeln essen und, wenn sie könnte, die ganze Welt bereisen.