Musik in der Kinderliturgie

17.06.2020 | von Michaela Druckenthaner
„Halle-, halle-, halleeluuja“ schallt es aus dem Kinderzimmer. Mein 4- jähriger Sohn begleitet sein Spiel auch im Sommer mit seinem Lieblingsweihnachtslied. In den Familiengottesdiensten in meinem Heimatort gibt es immer wieder kleine „Give aways“ als Erinnerung an das gemeinsame Feiern: ein Ausmalbild, ein Strohstern, ein Stoppschild. Es ist aber die Musik, die am nachhaltigsten weiterwirkt nach einem Kindergottesdienst: Halleluja!

Musikalischer Gottesdienst

Musik kann viel dazu beitragen, dass sich Kinder (und ihre Eltern!) willkommen und erwünscht fühlen. Daher soll in jedem Gemeindegottesdienst, bei dem mit der Teilnahme von Kindern zu rechnen ist, zumindest ein Lied für Kinder eingeplant werden! Für die Kinderliturgie gilt es, auch gelegentlich Lieder einzubauen, die aus dem traditionelleren Liedgut stammen. Die Kinder sollen sich spätestens ab der Erstkommunion auch im allgemeinen Gemeindegottesdienst zu Hause fühlen – und das geht gut über bekannte Lieder.

Grundsätzlich ist zu beachten: „Jede Musik im Gottesdienst hat ihre je eigene Aufgabe. Musik ist selbst Liturgie.“  So wird unterschieden zwischen eigenständigen Gesängen und Begleitgesängen. Eigenständige Gesänge sind eigenständige Elemente im Gottesdient mit bestimmten Funktionen wie z.B. Gloria, Credo, Sanctus.

Begleitgesänge begleiten eine liturgische Handlung, die Auswahl ist offener und freier, es kann auch Instrumentalmusik verwendet werden, z. B. Gesang zur Gabenbereitung, Gesang zum Brotbrechen (Lamm Gottes), Kommuniongesang. Begleitgesänge können relativ frei ausgewählt werden – sie sollen inhaltlich zur liturgischen Handlung passen, die sie begleiten.

Eigenständige Gesänge haben einen fixierten - oft biblischen - Text, sie „...sind wertvolle Bausteine aus dem geistlichen Gedächtnis der Generationen“. Hier ist die Auswahl klar vorgegeben.

 

Gesanglichen Elemente

Im Folgenden findest du einen Überblick über die einzelnen gesanglichen Elemente in der Messfeier:

  • Gesang zur Eröffnung, Eingangslied:  hat die Funktion, sich als Feiergemeinschaft zu sammeln und einzustimmen. Ein Beispiel: Ein Fest der Freud, Liederquelle 66.
  • Das Kyrie ist ein eigenständiger Gesang, der Christus in der Mitte der Feiergemeinschaft willkommen heißt, es ist ein Lobruf auf (das heilende Wirken) Christi, z.B. Kyrie eleison, Liederquelle 191.
  • Das Gloria in der Messfeier am Sonntag ist ebenso ein eigenständiges Element, das gebetet oder gesungen werden kann. Das Gloria ist ein frühchristlicher Hymnus, der Christus preist und die Kirche über die Generationen und Jahrhunderte hinweg verbindet. Es darf kein allgemeines Loblied sein. Ein Beispiel: Gloria, Liederquelle 94.
  • Antwortpsalm und Halleluja-Ruf: Der Psalm soll helfen, meditierend, vertiefend bei der Lesung zu bleiben. Anstelle des Psalmengesangs kann auch Stille, Instrumentalmusik oder auch ein anderer inhaltlich passender Gesang verwendet werden.
  • Das Halleluja blickt auf das Evangelium und grüßt Christus, der uns in seiner Verkündigung begegnet.          
  • Glaubensbekenntnis (Credo):  ist ein eigenständiger Gesang und kann gebetet oder auch gesungen werden.     
  • Lied zur Gabenbereitung:  begleitet diese. Im Lied kann deutlich werden, dass sich die Feiernden selber als Gabe bringen, z.B. Gott, wir bringen unseren Alltag, Liederquelle 103.
  • Sanctus (Heilig):  Im Heilig verbinden sich der Heiligruf der aktuellen Feiergemeinde mit dem Heilig der Engel, hier verbinden sich irdische und himmlische Liturgie. Eine besondere Dimension der Liturgie wird deutlich: Das, was wir jetzt hier auf Erden tun, ist mehr als menschliches Handeln. Allgemeine Lobgesänge können dies nicht ausdrücken.         
  • Vater unser               
  • Ein Friedenslied kann den Friedensgruß begleiten, z.B. Da berühren sich Himmel und Erde, Liederquelle 28.
  • Das Lamm Gottes (Gesang zur Brotbrechung, Agnus Dei) begleitet und deutet die für die Eucharistie zentrale Zeichenhandlung der Brotbrechung
  • Der Kommuniongesang begleitet den Kommuniongang .
  • Das Danklied vertieft das Kommuniongeschehen. Es ist oft geprägt vom Feieranlass und dem Dank für die Christusbegegnung im Gottesdienst: Wir sagen: Danke, Jesus, Liederquelle 322.
  • Das Schlusslied schließt ab, führt in die Welt, in den Alltag, wie z.B. Voll Vertrauen gehe ich, Liederquelle 18.

Vertraut sind den Kindern Lieder, die im Kindergarten oder im Religionsunterricht vorkommen. Es ist wunderbar, wenn sie diese dann auch im Sonntaggottesdienst wiedererkennen und mitsingen können. Dazu ist eine Absprache mit den Religionslehrkräften und den KindergartenpädagogInnen hilfreich, welche religiösen Lieder die Mädchen und Buben kennen und gerne singen.

Lieder aus dem neuen Gotteslob zum Singen mit Kindern findest du hier.

 

 

Michaela Druckenthaner

ist Theologin und Geistliche Assistentin sowie Kinderpastoralreferentin bei der Katholischen Jungschar Linz.