So ein Theater!

13.09.2021 | von Magdalena Schobesberger
Warum wir Kunst und Kultur nicht nur nach den Corona Lockdowns, sondern auch in der Jungschar brauchen.

Was meinen wir, wenn wir von Kunst und Kultur reden? Dies ist kein Versuch darauf eine Antwort zu finden, sondern eine Annäherung an die Frage, warum eben diese in der Jungschar Platz finden sollen.

Theater, Musik, Tanz, Bildende Kunst, Literatur, Film, Kabarett … all das und sicher noch viel mehr ist Kunst. Bei kulturellen Veranstaltungen finden diese Ausdrucksformen Resonanz bei einem Publikum.

Viele Monate fehlte das Publikum. Coronabedingt waren Bühnen, Kinos, Museen und Konzertsäle geschlossen. Vielen Menschen wurde dadurch bewusst: Kunst und Kultur sind Lebensmittel. Zuallererst für die Künstlerinnen und Künstler, aber auch für alle, die in den Genuss von Kultur kommen dürfen.

 

Ausdruck und Reflexion

Mit Kunst, von Akrobatik bis Zwölftonmusik, bringen Menschen ihre Gedanken und Gefühle auf Papier, in eine Melodie oder auf eine Bühne und drücken sich auf diese Weise aus.  

Kunst und Kultur sind immer auch ein Reflexionsangebot an uns. Wenn wir ein Buch lesen, in ein Konzert eintauchen oder den Dialog auf der Bühne verfolgen, wirkt diese Kunst auf uns. Wir dürfen uns berühren, wachrütteln und provozieren lassen.

Kunst endet also nicht dann, wenn ein Buch geschrieben oder ein Lied komponiert ist. Der kulturelle Prozess geht weiter bis zum Leser des Buches oder zur Klavierspielerin, die das Musikstück interpretiert.

 

Kunst und Kultur für Kinder

„Jedes Kind hat das Recht auf Ruhe, Freizeit, Spiel, altersgemäße, aktive Erholung und freie Teilhabe am kulturellen und künstlerischen Leben (Art. 31 der Kinderrechtskonvention).“

Kunst und Kultur haben es also sogar in die Kinderrechtskonvention geschafft. Und das zurecht. Auch Kinder haben das Recht auf diese Ausdrucks- und Reflexionsform. Gerade für junge Menschen bieten sich dadurch Entwicklungsräume. Sich mit einer Figur identifizieren oder sich von ihr abgrenzen, Gefühle in Musik und Tanz kanalisieren oder in eine andere Realität in einem Buch oder Film abtauchen: All das schafft Spielräume, um sich selbst kennenzulernen, die eigene Lebenswelt zu reflektieren und zu wachsen.

 

Kunst und Kultur in der Jungschar?

Ja! In der Jungschar wollen wir Kinder in der Ganzheit ihrer Person wahrnehmen. Dazu gehört auch, ihnen künstlerische Ausdrucksformen zu ermöglichen und Kultur gemeinsam mit ihnen zu erleben.

Wenn wir mit den Kindern kreativ werden, mit ihnen malen, werken, schauspielern, singen und tanzen, dann geben wir ihnen den Raum, sich selbst künstlerisch auszudrücken. Und wenn wir mit den Kindern gemeinsam in den Genuss von Kultur kommen, haben sie eine weitere Gelegenheit – auch im Gespräch mit uns – einen Reflexionsprozess zu starten. Das kann bei einem Museumsbesuch, einer interaktiven Ausstellung oder einem Theaterstück sein.

 

Den Prozess begleiten

Wenn Kinder selbst künstlerisch tätig werden, ist für uns in der Jungschar vor allem die Ausdrucksmöglichkeit durch Kunst relevant. Es geht nicht so sehr um das Ergebnis einer künstlerischen Beschäftigung, sondern um den Prozess dahinter, bis dorthin und darüber hinaus. Gruppenleiter*innen begleiten die Kinder dabei mit Feingefühl und Wertschätzung.

 

Freiwilligkeit

Ob bei einer Aufführung für die Eltern oder dem Bunten Abend am Jungscharlager: Damit Entfaltung in einem künstlerischen Prozess möglich ist, muss er freiwillig passieren. Kinder sollen sich in einer Rolle oder mit einer Aufgabe wohlfühlen. Das immer wieder abzufragen und gut zu beobachten, ist Aufgabe der Gruppenleiter*innen.

 

Zeit geben

Gebt euch die Zeit, die notwendig ist, um ins Tun zu kommen. Kreativität und Inspiration kommen nicht auf Knopfdruck. Lasst euch gemeinsam mit den Kindern auf eine Entwicklung ein, schreibt Texte um und malt Bilder neu. Manchmal muss ein Kunstwerk auch eine Zeit lang ruhen, bis ihr wieder mit Freude daran weiterarbeitet.

 

Wertschätzung

Wie Kinder eine Rolle im Theater ausfüllen, wie sie malen, musizieren oder tanzen ist so vielfältig wie die Kinder selbst. Bei einer künstlerischen Auseinandersetzung in der Jungschar gibt es keine Perfektion, kein Richtig oder Falsch. Im Vordergrund soll stehen, dass sich das einzelne Kind durch eine künstlerische Tätigkeit entdecken darf und das so wertgeschätzt wird, wie es eben ist.

 

Im Gespräch sein

und Interesse zeigen an den Überlegungen der Kinder zu ihrem Kunstwerk, ihrer Rolle, ihrer Musik… kann neue Perspektiven eröffnen. Lasst euch die Welt von den Kindern erklären und kommt mit ihnen gemeinsam ins Staunen und Nachdenken. Die kindliche Sicht auf die Welt – ausgedrückt in Tanz, Malerei, Schauspiel – ermöglicht auch Jugendlichen und Erwachsenen immer wieder neue Blickwinkel.

Magdalena Schobesberger

ist Referentin für voll.bunt und DKA.